Fluchtwege das müssen sie erfüllen

Sobald irgendwo viele Menschen zusammenkommen, ist es wichtig, dass für den Notfall Fluchtwege verfügbar sind. Im Ernstfall müssen alle das Gebäude schnell verlassen können. Doch ist es nicht ausreichend, dass die Menschen überhaupt einen Weg ins Freie finden – Fluchtwege müssen einer ganzen Reihe von Anforderungen genügen, um auch tatsächlich als Flucht- und Rettungsweg zugelassen zu werden.

Die Länge der Fluchtwege

Ein Fluchtweg hat den Zweck, dass Sie im Ernstfall schnellstmöglich das Gebäude verlassen und sich an einem sicheren Ort einfinden können. Die Wege dürfen hierbei eine bestimmte Länge keinesfalls überschreiten. Je nach möglicher Gefährdung sind bestimmte Maximallängen vorgeschrieben, die strikt einzuhalten sind. Dies sind:

  • bei einem normalen Arbeitsraum sowie bei einem brandgefährdeten Raum mit automatischer Feuerlöscheinrichtung maximal 35 Meter
  • bei einem brandgefährdeten Raum ohne automatische Feuerlöscheinrichtung maximal 25 Meter
  • bei einem giftstoff- oder explosionsgefährdeten Raum maximal 20 Meter
  • bei einem explosivstoffgefährdeten Raum maximal 10 Meter

Die Breite der Fluchtwege

Doch nicht nur die Länge, auch die Breite der Fluchtwege muss bestimmte Kriterien erfüllen. Die Mindestbreite richtet sich nach der Anzahl der Personen, die im Ernstfall über den Fluchtweg das Gebäude verlassen müssen. Dies sind

  • bei bis zu 5 Personen mindestens 87,5 Zentimeter
  • bei bis zu 20 Personen mindestens 1 Meter
  • bei bis zu 200 Personen mindestens 1,20 Meter
  • bei bis zu 300 Personen mindestens 1,8 Meter
  • bei bis zu 400 Personen mindestens 2,4 Meter

Der Flucht- und Rettungsplan

Sobald es seitens der Arbeitsstätte notwendig ist, muss ein Flucht- und Rettungsplan erstellt und ausgehängt werden. Dies ist beispielsweise dann notwendig, wenn häufig ortsfremde Menschen zu Besuch sind, welche die Wege nicht kennen und sich im Ernstfall verlaufen würden, aber auch in besonders gefährdeten Bereichen. Doch auch ein Flucht- und Rettungsplan muss bestimmte Vorgaben erfüllen. Er muss:

  1. stets aktuell sein
  2. übersichtlich und leicht lesbar sein
  3. mit Sicherheitsfarben und -kennzeichen nach ASR A1.3 erstellt worden sein
  4. über grafische Darstellungen zum Gebäudegrundriss verfügen, in welchen die Flucht- und Rettungswege leicht verständlich erkennbar sind
  5. eine Kennzeichnung der Erste-Hilfe-Einrichtung besitzen
  6. Kennzeichnung der Brandschutzeinrichtungen besitzen
  7. eine Kennzeichnung der Sammelstellen besitzen
  8. eine Kennzeichnung des aktuellen Standortes des Betrachters besitzen

Außerdem müssen die Flucht- und Rettungspläne überall dort angebracht werden, wo es wichtig und zudem geeignet ist. Lediglich einen Plan an den Ein- und Ausgängen anzubringen ist nicht ausreichend. Des Weiteren ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitnehmer in regelmäßigen Abständen über die Flucht- und Rettungspläne zu informieren.

Beleuchtung der Rettungswege

Streng vorgeschrieben sind spezielle Sicherheitsbeleuchtungen. Auch ein Sicherheitsleitsystem ist in entsprechend großen Unternehmen erforderlich. Darunter sind optische Markierungen zu verstehen, welche unmissverständlich den Fluchtweg aufzeigen – selbst bei schlechter Sicht, wie etwa durch Rauchbildung. Selbst im Falle eines Stromausfalls muss die Sicherheitsbeleuchtung noch für einen Zeitraum von mindestens 60 Minuten weiterleuchten. Dafür muss die Beleuchtung mit einer gesonderten Stromversorgung ausgestattet sein.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch viele weitere Punkte zu beachten:

  • Sowohl Fluchtwege als auch Notausgänge müssen immer frei bleiben, sodass eine Benutzung zu jeder Zeit möglich ist.
  • Türen und Schrankenanlagen müssen für den Ernstfall in Fluchtrichtung geöffnet werden können. Dafür darf lediglich ein Kraftaufwand von maximal 150 N aufgewendet werden müssen.
  • Die Höhe der Fluchtwege muss mindestens 2,0 Meter betragen.
  • Auf dem ersten Fluchtweg muss eine vorhandene Treppe zwingend gerade sein. Auf dem zweiten Fluchtweg sollte dies zwar auch gegeben sein, jedoch sind hier auch Ausnahmen möglich.
  • Fahrstühle sind als Fluchtweg unzulässig.
  • Es müssen regelmäßig Notfallübungen durchgeführt werden, damit die Räumung im Ernstfall nicht in Panik ausartet.

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